Wie du als Coach anfängst - 5 Tipps für mehr Selbstsicherheit

Deine Ausbildung ist abgeschlossen, das Coach-Zertifikat abgeheftet, doch jetzt nagen Fragen an dir: Kann ich das überhaupt? Wie bin ich als Coach? Wie gehe ich mit Unsicherheiten um?


Ich stand am Anfang meiner Coaching-Karriere vor genau denselben Fragen. Doch dann gab es einen entscheidenden AHA-Moment, durch den ich mutig geworden bin. Dazu erzähle ich dir später mehr.


Lerne 5 Schritte kennen, wie du gelassener als Coach den Sprung in die Praxis schaffst. Lass uns gleich mit einem wichtigen Punkt beginnen:



TIPP 1: Unsicherheit am Anfang gut meistern


Mache dir zunächst klar, dass es völlig in Ordnung ist, dass du dich zu Beginn in deinem neuen Beruf als Coach unsicher fühlst.


Ungewissheit zu akzeptieren heißt, sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren. Achte auf dein Wohlbefinden und deine Gesundheit und sammle Energie.


Akzeptiere die negativen Gefühle und Gedanken einfach und setze dich mit ihnen auseinander – indem du sie etwa ungefiltert aufschreibst.


Mit Unsicherheit umgehen“, schreibt der amerikanische Autor Jamie Holmes in seinem Buch Nonsense: The Power of Not Knowing, „entwickelt sich immer mehr zu einer zentralen Fähigkeit. Die Herausforderung des heutigen Lebens besteht darin, herauszufinden, wie man sich verhält – im Job, in Beziehungen, im alltäglichen Leben –, wenn man keine Ahnung hat, was man tun soll.“

Dein Vorteil - du hast ja schon Ahnung davon, was du tun sollst - du bist ausgebildeter Coach.


Wie du dich auf die Coaching-Sessions vorbereiten kannst, erfährst du im nächsten Schritt.



TIPP 2: Entwickle Prozesse und Abläufe


Für mich war es extrem hilfreich, mit einem Ablaufplan ins Coaching zu gehen. Für die erste Session hatte ich diesen auf einer Schreibunterlage vor mir liegen.


Kein Coachee nimmt es dir übel, wenn du Fragen abliest. Mir hat es Sicherheit gegeben, den roten Faden zu halten. Ich war einfach zu aufgeregt und konnte mir partout die Fragen nicht merken.


Plane verschiedene Coaching-Phasen vor. Wenn du z.B. Karrierecoach bist, wird es Stufen geben, durch die du deine Coachees führst. Skizziere für jede Stufe deine Vorgehensweise, die Methoden und die ungefähre Dauer. Mit so einem Gerüst bist du gut gewappnet und findest mehr und mehr zu deinem flexiblen, individuellen Coaching-Stil.



TIPP 3: Lerne von den alten Hasen


Ich liebe Geschichten erfahrener Meister über ihre Berufsanfänge. Das wirkt beruhigend und ist eine sehr gute Hilfe für mich.


In „Das Geheimnis therapeutischer Wirkung“ (Hain, Peter 2001) erinnert sich der amerikanische Therapeut Gendlin an den Beginn seines therapeutischen Trainings:


„Wenn man anfängt, ist man sehr scheu, man ist nur eine Maschine, die machen soll, was man gelernt hat und dann dauert es 30 Jahre, bis man sich so ganz wohl fühlt (Anm.: in der therapeutischen Situation) und wieder ein normaler Mensch ist


Puuuh – wie gut, dass wir Coach und nicht Therapeut sind :)


30 Jahre bin ich noch nicht Coach, aber ich kann dir versichern, dass ich mich schon sehr viel schneller wohl gefühlt habe. Und das wirst du auch schaffen!



TIPP 4: Sei einfach da für deinen Coachee


Einfach da sein – ein schöner - ja, philosophischer Begriff, dem ich in den letzten Wochen häufiger begegnet bin.


Und noch einmal Gendlin, der Dasein für sich wie folgt präzisiert :

„Inhaltlich lege ich alles, alle Methoden, alles Wissen, alle persönlichen Dinge auf die Seite, nahe zu mir, aber auf die Seite und bin einfach mal da. Wenn mir jemand in die Augen schaut, wird er gleich sehen, dass ich nicht so ein stabiler oder starker Mensch bin, wie ich vielleicht sein sollte, aber ich bin da, und das ist wichtiger als „wie gut, wie schön“ oder „wie gescheit“ ich bin.

Sei dir bewusst, wie wichtig deine Präsenz ist. Sie tut deinem Gegenüber gut. Du baust eine Verbindung zu deinem Coachee auf, die viel tiefer sein kann als viele Worte.


Du kannst deine Präsenz schulen – mit Meditationen oder Achtsamkeitsübungen. Und natürlich durch gaaaanz viel Coaching-Praxis :)



TIPP 5: Fang an


Und jetzt zurück zu meinem AHA-Erlebnis, das ich am Anfang erwähnt hatte:


Während meiner systemischen Coaching-Ausbildung gab es natürlich Gruppenarbeit. Ich war oft verunsichert und traute mich kaum, etwas zu sagen, obwohl ich fleißig den ganzen Stoff zuhause nachgearbeitet und viel gelesen hatte.


Aber Sätze wie "Du kannst ja noch nicht ..." "Warte lieber ab ..." hielten mich zurück.


In einer Workshop-Session erzählte eine Teilnehmerin stolz von ihren ersten Coachings, die sie bereits gegeben hatte. Ich war baff und Also, wenn sie … warum dann nicht auch ich … schoss es mir durch den Kopf.


Zurück in Berlin ging ich 2 Tage später schnurstracks in das Büro des Institutes, in dem ich bis dahin Marketing- und Projektmanagement Seminare gegeben hatte und sagte: „Ich möchte jetzt gerne auch als Coach arbeiten.“ Zwei Wochen später saß der erste Coachee vor mir. Ich habe angefangen.


Ja, und soll ich dir noch etwas beichten? Ich habe auch eine Methode für mich angewandt, die ich in der Ausbildung gelernt hatte: „As if“ – Verhalte dich so, als ob die Situation schon eingetreten wäre. Jetzt war ich einfach Coach - in meinem Kopf, in meinem Verhalten und in meinem Auftreten. Es funktionierte super!



Zusammenfassung


Hier findest du nochmals die 5 Tipps, die dir Mut machen sollen, als Coach am Anfang mehr Sicherheit zu bekommen:


Tipp 1: Unsicherheit gut meistern

Tipp 2: Entwickle Prozesse und Abläufe

Tipp 3: Lerne von den alten Hasen

Tipp 4: Sei einfach da für deinen Coachee

Tipp 5: Fang an


Wähle dir zunächst für deine ersten Coaching-Sessions ein oder zwei der Schritte aus. Wechsel diese in der nächsten Stunde wieder mit anderen Schritten aus. Schnell wirst du mehr Selbstsicherheit bekommen und mit der Zeit läuft alles ganz automatisch ab.


Du bringst alles mit. Was gibt dir mehr Selbstsicherheit in deinen Coachings? Teile deine Erfahrungen und hinterlass gern einen Kommentar.






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